Vom Falken getragen
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 Klappentext Teil EINS

Marie hatte genug. Tief verletzt und als verrückt abgestempelt flüchtet sie. Dem Falken unbewusst folgend landet sie in der liebevollen Obhut einer Pensionsbesitzerin. Ihre neue Arbeitsstelle hilft Marie, sich an Menschen zu gewöhnen. Doch Raimund bedeutet pure Angst. Wer ist John und kann sie ihm trauen, obwohl er sich selbst nicht verzeihen kann? Die Macht der Vergangenheit lässt Sehnsucht und Angst miteinander kämpfen. Kann die Liebe siegen? Welche Bedeutung hat der Falke?

 Eine dramatische Liebesgeschichte von leichter Mystik begleitet.

  »Das Problem ist, dass sie nicht atmet. Ich bin gleich zurück, sprechen Sie mit ihr!«

 »Oh Himmel, Marie, atme, mein Mädchen, komm schon, ATME!«.
Meinungen /Rezis von Lesern

  Autor & Covergestaltung: Stefanie Landahl

 Cover Foto: Kurt Bouda

 Korrektorat : Renate Schreiber

 Lektorat: Kerstin Barth

Taschenbuch Roman "Vom Falken getragen"

Roman “Vom Falken getragen” Teil EINS

Taschenbuch 370/399 Seiten (12 x 19 cm)

Info: Es gibt eine dezent überarbeitete Auflage. Nur einzelne Worte. Laut Aussage einer Verlegerin, wird diese Änderung den Lesern eher nicht auffallen. Dennoch biete ich hier die “Restexemplare” der vorherigen Version mit 50% Rabatt an.

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Vom Falken getragen
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Der zweite Teil  - Vom Falken getragen

Taschenbuch "Vom Falken getragen" Teil 2

Teil 2 - Vom Falken getragen
Taschenbuch, diese Ausgabe direkt von mir.
Kann auf Wunsch (Nachricht) signiert werden.

Klappentext
Ergriffen schaute Tom hoch. Noch nie hatte er erlebt, dass ein Mensch so auf ihn reagierte.“
John und Marie werden als Eltern vor Sorge fast verrückt. Als Annas Freund auf John trifft, eskaliert seine Wut.
Mehrmals trifft die Vergangenheit knallhart die Gegenwart. Besorgt beobachtet der Falke das BKA und fliegt in den Wald, um John zurückzuholen.
Liebe, Drama, Krimi und der Hauch von Mystik. Fast wie im wahren Leben.

Probelesen 

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Teil 2 Vom Falken getragen - Roman; Liebe, Drama, Mystik, Spannung

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AKTION TB "Vom Falken getragen" Teil 1 & 2

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Klapptentext Teil 1
Marie hatte genug. Tief verletzt und als verrückt abgestempelt flüchtet sie. Dem Falken unbewusst folgend landet sie in der liebevollen Obhut einer Pensionsbesitzerin. Ihre neue Arbeitsstelle hilft Marie, sich an Menschen zu gewöhnen. Doch Raimund bedeutet pure Angst. Wer ist John und kann sie ihm trauen, obwohl er sich selbst nicht verzeihen kann? Die Macht der Vergangenheit lässt Sehnsucht und Angst miteinander kämpfen. Kann die Liebe siegen? Welche Bedeutung hat der Falke?
Ein spannender Liebesroman von leichter Mystik begleitet.

»Das Problem ist, dass sie nicht atmet. Ich bin gleich zurück, sprechen Sie mit ihr!«
»Oh Himmel, Marie, atme, mein Mädchen, komm schon, ATME!«.
Taschenbuch hat 370 Seiten


Klappentexte Teil 2

„Ergriffen schaute Tom hoch. Noch nie hatte er erlebt, dass ein Mensch so auf ihn reagierte.“
John und Marie werden als Eltern vor Sorge fast verrückt. Als Annas Freund auf John trifft, eskaliert seine Wut.
Mehrmals trifft die Vergangenheit knallhart die Gegenwart. Besorgt beobachtet der Falke das BKA und fliegt in den Wald, um John zurückzuholen.
Liebe, Drama, Krimi und der Hauch von Mystik. Fast wie im wahren Leben.
Taschenbuch hat 354 Seiten
("Triggerinfo: Thema Missbrauch ist enthalten, ohne Details)

 

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Beide Taschenbücher "Vom Falken getragen" Teil 1 & 2
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Vom Falken getragen

 Teil1

 

 © by Stefanie Landahl - Autorin

 Text & Covergestaltung: Stefanie Landahl

 Cover Foto: Kurt Bouda

 Korrekt/Lektorat : Schreiber /Barth

 Quellen: Oscar Wilde – Zitat

 www.kreawusel-schreibweib.de

 

2 Kapitel Probelesen

Flucht ins Ungewisse
Seit sie denken konnte, war dieser Traum ihr steter Begleiter. Vielleicht war er mit
Schuld daran, dass sie jetzt im Zug saß? Mittlerweile war Marie fünfundzwanzig Jahre
alt und fast jede Nacht besuchte sie dieser Traum. War es ein Engel oder doch ein
Vogel? Fast schien es, als flüstere dieser ihr Worte zu: »Marie, komm, folge mir.«
Heute Morgen war Marie so weit. Sie wusste, sie musste gehen. Sie war verrückt, so
sagte man zumindest. In ihrem Elternhaus hinterließ sie eine Notiz: Sucht mich nicht,
ich komme nicht wieder. Marie.
Leise vor sich hin summend, erlebte sie das gleichmäßige Rattern des Zuges. Sie war
guter Dinge und endlich frei. Frei von Demütigung, frei von Kälte. So saß sie eine Weile
einfach da und genoss ihren guten Zustand.
Nach ungefähr einer Stunde durchfuhr die Bahn einen Tunnel. Die junge Frau
klammerte sich an den Armlehnen fest, sodass ihre Knöchel weiß hervortraten, und
begann hektisch zu atmen.
Eine alte Dame, die ihr gegenübersaß, bemerkte es und fragte fürsorglich:
»Junge Frau, ist alles in Ordnung?«
»Licht, bitte Licht!«, flüsterte Marie kaum hörbar.
Die Dame wollte beruhigend auf Marie einwirken, blieb allerdings in ihren
Bemühungen erfolglos.
Als endlich wieder Tageslicht ins Abteil kam, konnte man ihr die durchlebte Panik
ansehen. Kreidebleich, mit weit aufgerissenen Augen und zitternden Fingern versuchte
sie, irgendwelche Tabletten aus ihrer Tasche zu fischen.
Die Mitreisende hatte Mitleid mit dieser zerbrechlich wirkenden, jungen Frau. Sie war
hübsch anzusehen, besonders vorhin, als sie leicht lächelte. Die langen, fast roten Haare
schimmerten seidig glänzend. Ihre Augen waren ein wunderschönes Gemisch aus Grün
und Blau.
Wortlos reichte sie Marie ein Glas Wasser. Gerne würde sie etwas sagen, wusste aber
nicht so recht, was nun angebracht wäre, daher hingen beide schweigend ihren
Gedanken nach.
Nach weiteren neunzig Minuten Zugfahrt – Marie hatte sich wieder erholt - stieg die
Mitreisende aus.
Zum Abschied sagte sie: »Junge Frau, ich wünsche Ihnen noch eine angenehme
Weiterfahrt und alles Liebe und Gute für Ihre Zukunft!«
Verwundert über diese netten Worte schaute Marie auf, lächelte die Frau an und
meinte: »Danke, Ihnen auch alles Gute.«
Schade eigentlich, dass sich ihre Wege schon trennten, sie fand diese alte Dame
angenehm. Sie hatte gütig gewirkt und keine blöden Fragen gestellt, so wie sie es sonst
gewohnt war.
Kurz darauf schlief Marie ein, träumte vom Engel oder vom Vogel.
Die Stimme aus den Lautsprechern weckte sie mit den Worten: »Endstation, alles
aussteigen bitte!«
Marie nahm ihre wenigen Habseligkeiten und schaute sich auf dem Bahnsteig um. Wo
sie war, wusste sie nicht, es war ihr auch egal. Der Bahnhof war klein, eher ländlich.
Neben den zwei Gleisen gab es noch ein Häuschen mit einem Schalter, an dem man
Fahrkarten erwerben konnte. Als sie das Gelände verließ, staunte sie. Wunderschön war
es hier. So weit das Auge schauen konnte, pure Natur. Marie lief die Straße entlang. Ab
und an kam ihr ein Auto entgegen. Rechts und links sah sie weitläufige Wiesen und
Felder, weiter vorn konnte sie einen Fluss erkennen.
Diese Stille war nicht leise – im Gegenteil, wenn man genau zuhörte, erkannte man eine
Vielfalt an Geräuschen. Das Gezirpe aus dem Gras, das Summen vieler Insekten, ein
Zwitschern und Flöten der Vogelwelt. Der Fluss plätscherte, während die Bäume leise
rauschten. Dazu kam der liebliche Geruch von Bäumen, Blumen und Sträuchern.
Fasziniert entdeckte Marie auch die japanischen Kirschbäume mit ihren rosa Blüten.
Sie war so überwältigt von der wunderschönen Umgebung, dass sie gar nicht bemerkte,
dass sie schon längst querfeldein lief. Ein Gefühl von Liebe und Heimat durchströmte
sie, obwohl sie noch niemals hier gewesen war. Sie drehte sich wie ein Kind im Kreise
und ließ sich von den rosa Blüten taufen. Später setzte sie sich ins Gras und beobachtete
noch einige Zeit das Treiben um sich herum.
Plötzlich ließ sich ein Falke unweit von ihr auf einem großen Stein nieder. Er saß einfach
da und beobachtete Marie. Es wirkte, als würden sie sich gegenseitig in die Augen
schauen. Die Situation fühlte sich nicht bedrohlich an, eher mystisch, fast, als wäre es
von Bedeutung. Sie hatte das Gefühl, diese Augen nicht das erste Mal gesehen zu
haben. Irgendwann schlief sie ein, und als sie wieder erwachte, setzte der Falke gerade
zum Flug an. Er umkreiste sie noch einmal und verschwand anschließend in Richtung
Süden. Marie stand auf, reckte und streckte sich den letzten Schlaf aus den Gliedern
und lief weiter. Richtung Süden.
Weiter vorn schien eine kleine Ortschaft zu sein. Sie entschloss sich, dort ein Plätzchen
für die Nacht zu suchen. Marie sah ein Fachwerkhaus, es wirkte alt und nahezu
märchenhaft. Die Vorderfront war mit Efeu bedeckt. Ein Holzschild in Herzform, mit
der Aufschrift: Schlafplatz frei, hing an der Eingangstür aus schwerem Eichenholz.
Diese wurde von einer Blumenranke umrahmt. Rechts stand ein großer Blumenkübel
und links eine Schubkarre aus Holz, gefüllt mit bunten Wildblumen. Zögerlich griff sie
nach dem Türgriff. Als Marie diesen berührte, wirkte es, als würde sich die Tür fast von
alleine öffnen.
Sie ging zu einem Tresen, hinter dem sie die Rezeption vermutete. Weit und breit war
niemand zu sehen. Auf der polierten Fläche stand eine glänzende, antike
Messingglocke, mit welcher Marie auf sich aufmerksam machte. Zaghaft griff sie nach
dieser und schüttelte sie vorsichtig. Kurz darauf hörte sie schnelle Schritte.
Eine Frau kam um die Ecke und sagte mit freundlicher Stimme: »Ich komme ja schon!«
Silbergraues Haar umrahmte in weichen Wellen ihr gütiges Gesicht. Sie war nicht
besonders groß, aber für ihr Alter wirkte sie erstaunlich sportlich. Die Augen der Frau
blickten liebevoll und ungewöhnlich aufmerksam.
»Guten Abend, junge Frau. Sie suchen sicherlich einen Platz zum Schlafen. Es ist selten,
dass hier jemand herkommt. Zurzeit könnten Sie sich ein Zimmer aussuchen, doch ich
empfehle Ihnen das nach Süden hin, im obersten Stock. Der Ausblick dort ist besonders
herrlich. Wenn Sie noch zu Abend essen möchten, sagen Sie es nur, ich richte Ihnen
gerne etwas her.«
»Danke, das wäre sehr nett, etwas hungrig bin ich schon.«
Kaum hatte sie die Worte gesprochen, knurrte ihr Magen lautstark, wie zur
Bestätigung. Etwas hungrig war gewaltig untertrieben, da sie vor drei Tagen das letzte
Mal gegessen hatte. Marie bedankte sich, während sie den Schlüssel mit der Nummer
sieben entgegennahm. Sie ging die knarrende alte Treppe hoch in den ersten Stock. Wie
alt das Haus wohl sein mochte, überlegte sie. Überall sah man Deckenbalken und auch
die Wände waren teilweise mit Holzbalken durchzogen, alles wirkte freundlich und
gemütlich. Es passt irgendwie zu der alten Frau, dachte Marie, während ihr Magen
erneut laut grummelnd verkündete, dass ein leckerer Geruch von Essen sich im Haus
breitmachte.
Nachdem Marie einen vorzüglichen Salat mit Kräutersoße, Bratkartoffeln und hinterher
selbst gemachten Joghurt gegessen hatte, setzte sie sich noch ein Weilchen raus auf den
Balkon und beobachtete die Natur. Sie hatte das unbestimmte Gefühl, Zuhause
angekommen zu sein. Marie konnte sich gut vorstellen, hierzubleiben, denn hier fühlte
sie sich das erste Mal in ihrem Leben wohl. Hier war niemand, der sie anschrie.
Niemand, der sie verachtend wegsperrte. Niemand, der sie als Spinnerin verhöhnte.
Dass sie vielleicht ein wenig verrückt war, das wusste sie ja. Aber das war doch nicht
ihre Schuld. Daran war das Gift schuld. Das Gift, das dieser Mann vor Jahren in sie
reingespritzt hatte. Immer wieder kam er nachts, tat ihr weh und vergiftete sie mit
diesem Zeug. Sein Geruch und sein Gestöhne verfolgten sie manchmal noch heute.
Schnell brach sie ihre Erinnerungen ab, wusste sie doch, wohin das führen konnte.
Niemals würde sie jenes vergessen können, da war sie sich sicher.
Als Marie sich damals endlich getraut hatte, zur Internatsleitung zu gehen, glaubte man
ihr nicht! Stattdessen wurde sie als Lügnerin hingestellt. Sie wäre eine, die dem
männlichen Personal schöne Augen machen würde. Aufgrund dessen könne sie nicht
länger im Internat bleiben. So hieß es in dem Schreiben, welches ihre Eltern bekamen,
bevor sie Marie abholten.
Von da an wurde sie von ihrer ohnehin kaltherzigen Mutter bei den geringsten
Anlässen in den dunklen Keller gesperrt. Im Keller war sie nie ganz allein, es lebten
dort jede Menge Spinnen, und auch Ratten liefen ihr manchmal über die Füße. Doch
Marie sah sie nicht. Mit der Zeit entwickelte sie eine ausgeprägte Spinnenphobie und
hatte Angst vor Ratten und der Dunkelheit.
Eines Tages hatte sie ihren Eltern heimlich ein Feuerzeug gestohlen und es mit in den
Keller genommen. Doch leider wurde es entdeckt und sie bezog mal wieder eine Tracht
Prügel. Marie wurde als die Schande, die sie doch war, gemieden und als Früchtchen,
Lügnerin und Diebin beschimpft. Ihre Mutter hatte sie nahezu täglich spüren lassen,
wie sehr sie ihre Tochter für die Beschmutzung ihres Ansehens hasste. Mutter hatte ihr
nicht glauben wollen. Die Nachbarn waren wichtiger, als die ach so missratene Tochter.
Sie hatte es wirklich versucht. Damals, an dem Tag, als ihre Mutter die blauen Flecken
an ihrem Körper entdeckte. Marie stand gerade unter der Dusche, als plötzlich ihre
Mutter das Bad betrat. Vorwurfsvoll wurde sie angekeift. Ihr wurde unterstellt, dass sie
sich geprügelt hätte. Zitternd und schluchzend hatte Marie erzählt, was vorgefallen
war. Ihre Mutter lachte auf und zischte: »Erzähle mir nicht solche Märchen, Marie!«
Und verließ den Raum.
Und ihr Vater? Er war zu schwach, stand unter dem Pantoffel seiner Frau. Wenn er nur
andeutungsweise versuchte, etwas zu sagen, oder zu murren, wurde er mit sexuellem
und persönlichem Entzug bestraft. Er war ihrer Mutter hörig, in jeglicher Hinsicht. Was
Marie nie begriff – selbst ein Eisberg hatte mehr Wärme als diese Frau. Marie liebte
ihren Vater, doch gleichzeitig empfand sie Abscheu und Mitleid. Oft hatte sie das
Gefühl gehabt, dass er wusste, dass sie die Wahrheit sagte.
Lange Zeit konnte Marie nicht nachvollziehen, warum sie von ihrem Vater keine Hilfe
bekam. Er konnte nicht, egal wie sehr sie sich wünschte, dass er sie beschützen möge.
Vor Jahren gab es einen Vorfall in der Schule. Ein Mädchen wurde bedroht. Der Vater
des Mädchens war unverzüglich in der Schule und sie hatte von da an für immer Ruhe.
Der Mitschüler der höheren Klasse musste sich vor versammelter Mannschaft bei
seinem Opfer entschuldigen. Marie wünschte sich damals sehnlichst, dieser Vater wäre
der ihre.
Eines Tages hatte sie gehört, wie ihre Mutter mit ihrem Vater sprach: »Die Göre hat
nicht alle beisammen, heute hat sie wieder den ganzen Tag schaukelnd in der Ecke
gesessen und wirres Zeugs gestammelt. Ich werde morgen Dr. Born anrufen, der wird
sie in die Psychiatrie einweisen!«
Ihr Vater antwortete stotternd: »Nein, das kannst du … das kannst du … doch nicht …«,
und fügte fast flüsternd hinzu: »Sie ist doch unsere Tochter!«
Anschließend war es ruhig. Marie wusste, ein kalter Blick hatte genügt, um ihn zum
Schweigen zu bringen. Er kann einem wirklich leidtun, dachte Marie, während sie ihre
Sachen gepackt hatte.
Kurz darauf war sie geflohen.
Nun war sie im nirgendwo und wusste eigentlich gar nicht, was sie fühlen sollte.
Doch alles wäre besser als die Psychiatrie und wieder eingesperrt sein, fand Marie,
während ihr vor Müdigkeit die Augen zufielen.


Neue Heimat?
Marie hatte lange geschlafen. Als sie wach wurde, hörte sie die Vögel munter
zwitschern und roch den Duft von Kaffee und frischen Brötchen. Erstaunt bemerkte sie,
dass in ihrem Zimmer der Tisch mit eben diesen Dingen gedeckt war. Sie öffnete weit
die Balkontür, setzte sich an den Tisch und genoss das wunderbare Frühstück. Die
Mahlzeit, dieser ruhige Ort, der weite Blick und die Musik der Vögel versetzten sie in
eine fast himmlische Harmonie. Sie vergaß Zeit und Raum. Gerne würde sie sich immer
so fühlen, ging es Marie durch den Kopf. Ruhe. Wie lange hatte sie keine Ruhe mehr
gefühlt?
Sie war jetzt so nah bei sich, irgendwo hier draußen. Es war ein schönes Gefühl, dass es
fast schon wieder unheimlich wurde. Was wäre, wenn ich einfach hier sitzen bleiben
würde?
Früher hatte sie manchmal in ihrem Baum die Ruhe gesucht, dorthin war sie oft
geflüchtet. Dort fand man sie nicht. Der Baum stand auf dem unbewohnten
Nachbargrundstück und hatte in seinem breiten Stamm ein großes Loch. Es war wie
eine Höhle. Ihre Höhle. Sie hatte sich jedes Mal gewünscht, in seinem Schutz bleiben zu
können und doch hat sie ihn immer wieder verlassen müssen.
Seufzend erhob sich Marie, um ausgiebig duschen zu gehen. Im Anschluss würde sie
die Gastgeberin suchen gehen. Vielleicht konnte diese ihr sagen, wo sie eine Zeitung
finden würde. Sie wollte sich die Stellenanzeigen heraussuchen. Irgendwann würde ihr
Erspartes verbraucht sein, und zurück, wollte sie auf gar keinen Fall! Niemals!
Gerade wollte sie nach der Pensionsinhaberin klingeln, da diese nirgendwo zu finden
war, als Marie eine Zeitung links neben sich liegen sah. »Das ist ja ein tolles Haus«,
murmelte Marie im Selbstgespräch. »Hier scheint alles wie von selbst zu
funktionieren.« Mit dem Blatt in der Hand ging sie wieder in ihr Zimmer und setzte
sich auf den Balkon. Verwundert stellte sie fest, dass nicht weit von ihr der Falke auf
einem Baumstumpf saß. Sie freute sich darüber, ohne genau zu wissen, warum. Es
fühlte sich an, als wäre er so etwas wie ein alter Freund. Eine innere Stimme sagte ihr,
dass dieser Falke vielleicht etwas mit ihren jahrelangen Träumen zu tun hatte. »Ach
Marie«, schalt sie sich, »sei nicht blöd. Das ist ein Vogel, einfach nur ein Vogel.« Zurzeit
träumte sie nicht diesen Traum, dafür schien der Falke stets in ihrer Nähe zu sein.
Schon irgendwie komisch, aber von mir aus, soll er mich halt begleiten, ging es Marie
durch den Kopf. Ob nun im Traum oder real ist eigentlich unwichtig. Marie widmete
sich wieder der Zeitung. Die meisten Anzeigen waren unbrauchbar, aber diese hier
klang ganz ansprechend:
»Suchen Verkaufshilfe in unserer Backwarenabteilung. Bitte wenden Sie sich an unseren
Personalchef Herrn Strack, Kaufhaus Morten.«
Das wäre vielleicht das Richtige, dachte Marie. Sie brauchte diese Arbeit und wollte
lieber persönlich hingehen. Wenn da nur nicht diese verdammte Angst wäre. Maries
Blick glitt suchend zum Baumstumpf, aber der Vogel war weg. Schade. Eine leichte
Traurigkeit erfasste Marie. Sie wunderte sich und fand keine Erklärung dafür. Hörbar
atmete sie aus, um das Gefühl wegzubekommen.
Marie stöberte in ihren Sachen nach etwas Ordentlichem zum Anziehen. Etwas, das für
das bevorstehende Gespräch geeignet wäre, wenn sie schon nicht den üblichen Weg,
mit Lebenslauf und schriftlicher Bewerbung, nutzen konnte. Anschließend lief sie nach
unten. Sie wollte die Dame fragen, wie sie in die Stadt käme und wann der
entsprechende Zug fuhr.
Nach fast einer Stunde Fahrtzeit war sie endlich angekommen. Sofort fühlte sie sich
unwohl. Es war fürchterlich laut und stressig, und es gab kaum Luft zum Atmen. Marie
quälte sich ungefähr fünfzehn Minuten durch dichtes Gedränge, bevor sie vor dem
Eingang des Kaufhauses Morten stand. Die vielen Menschen überall verunsicherten sie.
Mit zittrigen Knien und ziemlich blass um die Nase fuhr sie die Rolltreppen bis in den
vierten Stock hinauf. Sie war sehr froh über diese Beförderungsart – die Enge in einem
Fahrstuhl hätte sie nicht verkraftet.
Hinter der letzten Glastür lag ein langer Flur, an dessen Ende ein Schild mit der
Aufschrift Personalbüro stand. Den Namen Herr Strack – Personalleiter fand sie
schließlich zwei Türen weiter.
Noch einmal holte Marie tief Luft und strich den Rock glatt, bevor sie an die Tür
klopfte.
»Ja, herein, bitte«, kam eine Stimme von drinnen.
Marie straffte sich und öffnete mit leicht zittriger Hand die Tür zum Büro.
»Guten Tag, Herr Strack. Ich komme wegen Ihrer Anzeige im Regionalblatt. Sie suchen
eine Verkaufshilfe und ich würde gerne bei Ihnen anfangen. Ich weiß, dass Sie
normalerweise eine schriftliche Bewerbung wünschen, aber das …«
Plötzlich wusste Marie nicht weiter und eine leichte Röte überzog ihre Wangen.
Herr Strack schien sichtlich amüsiert. Oder war er beeindruckt? Nun, zumindest
lächelte er.
»Setzen Sie sich bitte, Frau? Wie darf ich Sie ansprechen?«
Marie errötete noch ein wenig mehr. »Entschuldigen Sie, ich bin Marie, Marie Weber.«
»Gut, Frau Weber. Haben Sie denn einen Lebenslauf mitgebracht, damit ich mir ein Bild
von Ihnen und Ihren beruflichen Kenntnissen machen kann?«
Marie bemühte sich, nicht auf den Boden zu schauen, während sie antwortete: »Nein, es
tut mir leid. Ich habe keine Vorkenntnisse, ich war im Internat und …«
Nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: »Aber ich kann alles lernen, ganz bestimmt!«
Herr Strack war ein sensibler Mensch, auch wenn er das in seinem Job nicht zu sehr
zeigen durfte. Prüfend, aber nicht unfreundlich, schaute er Marie an. Sie machte auf ihn
einen verletzlichen Eindruck und er ahnte, dass ihr der direkte Weg hierher bestimmt
nicht leichtgefallen war. Das rührte ihn irgendwie. Seine Menschenkenntnis sagte ihm,
dass er dieser zurückhaltenden, jungen Frau eine Chance geben sollte. Auch wenn er
gewisse Bedenken hatte. Ob sie dem rauen Betriebsklima im Backshop standhalten
würde? Aber davon sagte er ihr nichts.
»Okay, Frau Weber, wir versuchen es miteinander. Kommen Sie bitte am Montag früh,
um acht Uhr, in mein Büro. Ich werde Sie direkt ins Geschäft bringen und Herrn Braun,
dem Abteilungsleiter der Bäckerei, vorstellen. Die Arbeitskleidung bekommen Sie von
uns gestellt. Bitte besorgen Sie sich zeitnah noch ein Gesundheitszeugnis. Das
Vertragliche regeln wir ebenfalls am Montag. Haben Sie noch Fragen?«
Marie schüttelte verneinend den Kopf. »Gut, wir sehen uns nach dem Wochenende. Ich
wünsche Ihnen einen schönen Tag, Frau Weber, und bedanke mich für Ihren Mut, hier
persönlich zu erscheinen.«
Freundlich lächelnd schüttelte Herr Strack ihr die Hand und begleitete Marie zur Tür.
Marie strahlte vor Erleichterung und ein großer Stein fiel ihr vom Herzen. Sie
verabschiedete sich mit einem herzlichen Danke.
Ein schönes Gefühl, dachte Marie und sie war unheimlich stolz auf sich selbst. Erst lief
sie von ihrem Zuhause fort, das keines gewesen war, und nun hatte sie sich durch die
Menschenmassen getraut und beim ersten Anlauf einen Job bekommen. Fast hüpfend
und neugierig auf ihren neuen Arbeitsplatz bummelte sie zur Bäckerei. Dort
angekommen, schaute sie sich verstohlen um und kaufte übermütig gleich einen
ganzen Kuchen. Diesen wollte sie zur Feier des Tages zusammen mit der
Pensionsbesitzerin genießen. Dass sie ein unangenehmes Bauchziehen bekam, während
sie den Kuchen kaufte, versuchte Marie zu ignorieren. Mutig und glücklich schlenderte
sie durch das Gewimmel der Stadt zurück zum Bahnhof und fuhr schließlich zur
Pension.
»Hallo, wo sind Sie?«, rief Marie, während sie durch ihr derzeitiges Zuhause lief. Marie
fand die Hausherrin draußen am Kräuterbeet, das hinterm Haus angelegt war. »Da sind
Sie ja, ich habe Kuchen mitgebracht und würde diesen gerne mit Ihnen teilen, wenn Sie
möchten. Ich war gerade in der Stadt und habe eine Arbeit gefunden. Montag fange ich
bereits an.«
Die Frau schaute lächelnd zu Marie und meinte: »Das ist ja wunderbar, Fräulein Marie,
dass Sie das geschafft haben. Ich bewundere Ihren Mut und setze mich gerne zu Ihnen.
Ich werde uns schnell einen frischen Kaffee aufbrühen.«
Sie tätschelte Marie liebevoll die Schulter und schlurfte davon.
Marie setzte sich auf die Bank hinterm Haus und schaute glücklich in die Weite der
Natur vor sich. Wo war denn ihr Vogel? Fast hatte sie sich schon an ihn gewöhnt.
Seltsam, die Wirtin hatte eben ihren Mut angesprochen, doch woher wusste sie denn,
dass es für Marie Mut erforderte, in die Stadt zu gehen? Irgendwie eigenartig war diese
Frau schon, aber instinktiv wusste sie, dass sie keine Angst vor ihr haben musste.
Eigenartig war sie doch selber, dachte sie schmunzelnd. Oder sonderbar, wie viele
Leute sie immer betitelt hatten. Sonderbar war noch der freundlichste Begriff von allen.
Von Hexe über Hure, Flittchen, Verrückte bis Bekloppte war alles dabei. Sie hatte nie
verstanden, warum alle Ehefrauen der Umgebung scheinbar Angst um ihre Männer
hatten, wenn Marie aufgetaucht war, als ob sie diese verführen würde. So ein Blödsinn!
Bei dem Gedanken schaute Marie eher ärgerlich und verwirrt aus. Männer waren für
Marie doch gleichbedeutend mit Schmerz, Angst und Ekel. Daher ging sie
sicherheitshalber allen Menschen aus dem Weg.
Marie war so in Gedanken versunken, dass sie etwas erschrak, als die
Pensionsbesitzerin mit dem Kaffee zurückkam. Das duftende Getränk stand vor ihr auf
einem mit Blumen geschmückten Tisch. Der Kuchen war bereits angeschnitten und
diese Frau saß da und lächelte Marie freundlich an.
»Marie, so darf ich Sie doch nennen?«
»Ja, natürlich.«
»Sie können mich Minnie nennen, damit Sie nicht ›Hallo Sie‹ rufen müssen«, meinte die
Dame zwinkernd. »Wir haben also heute etwas zu feiern. Sie haben einiges geschafft,
das ist gut so.«
Marie nahm einen Schluck von dem wunderbar duftenden Kaffee.
Schließlich antwortete sie: »Ja, und ich fange schon Montag an, der Personalchef war
wirklich sehr freundlich. Obwohl ich nichts an Berufserfahrung vorzuweisen habe, gibt
er mir trotzdem eine Chance, das finde ich wirklich nett von ihm.«
»Das finde ich auch. Und wie war es in der Stadt?«
»Oh, das war fürchterlich laut und voll. Die Luft stickig und so viele Menschen. Ich bin,
glaube ich, kein Stadtmensch«, meinte Marie mit entschuldigendem Schulterzucken.
»Aber ich habe im Moment keine andere Wahl, ich muss ja Geld verdienen!«
Schon wieder dieses komische Bauchgefühl. Marie schob es darauf, dass sie vielleicht
zu viel Kuchen gegessen hatte.
Minnie nickte verstehend und meinte: »Ich mag das Gewühl in der Stadt auch nicht so
besonders, irgendwann sind mir die Menschen fremd geworden. Ich bin kein
Menschenfeind, nein, ganz und gar nicht, aber mir sind die Menschen zu kompliziert
geworden. Mir kommt es auch so vor, als würde es immer mehr Oberflächliche geben.
Aber vielleicht täusche ich mich. Viele sagen doch gar nicht, was sie denken. Definieren
sich über Geld und Macht und verlieren dabei ihr eigenes Ich, ohne es überhaupt zu
bemerken. Da es von dieser Art viele gibt, befinden sie sich in bester Gesellschaft.
Irgendwann war es für mich fast unerträglich und ich entschied mich, in und mit der
Natur zu leben. Ja, nun bin ich schon seit über dreißig Jahren hier, mein Kind. Hier
werde ich auf meine alten Tage auch bleiben!«
Minnie hatte einen nachdenklichen Ausdruck im Gesicht und doch lächelte sie leicht,
während sie sprach.
Marie war verblüfft. So hatte sie noch niemals jemanden reden hören. Es klang so
ehrlich. Marie ahnte, dass auch in Minnies Leben wohl nicht immer alles so einfach war.
Dabei klang es überhaupt nicht verbittert. Außerdem sprach diese Frau mit ihr, als
wenn sie ganz normal wäre. Minnie schien sie ernst zu nehmen. Das war für Marie ein
neues Gefühl. Sie fing an, die Frau zu mögen, was ihr eigentlich Angst machte. Es war
nicht gut, jemanden zu mögen.
Verdammt Marie, lass das bloß sein. Immer wenn du jemanden gern hattest, wurdest
du nach Strich und Faden verarscht. Oder man hat dir richtig wehgetan. Marie wusste
nicht mehr, wie Vertrauen funktionierte. Sie versuchte, sich mit aller Macht gegen
dieses Gefühl zu wehren. Sie könnte Minnie ja nett finden, aber bloß keine Gefühle
investieren.
»Minnie, ich möchte Sie etwas fragen. Woher wussten Sie, dass ich in der Stadt Mut
brauchte? Ich hatte nun schon öfter das Gefühl, dass Sie etwas wissen, was eigentlich
gar nicht sein kann. Aber vielleicht spinne ich auch wieder.«
Minnie lächelte und sagte: »Nein mein Kind, du spinnst überhaupt nicht! In meinem
Alter weiß man manche Dinge einfach so. In gewisser Weise kann ich es vielleicht
erfühlen oder sehen. Weißt du, mein Leben hier draußen und auch meine vorherigen
Erfahrungen haben mich viel gelehrt. Besonders auch über die Menschen. Was ich bei
dir sehe, du bist ein hübsches und sehr liebenswertes Mädchen. Ich weiß, dass dir
Menschen sehr wehgetan haben. Sei dir sicher, du bist keine Spinnerin!«
Marie war sprachlos und sie spürte einen dicken Kloß im Hals. Woher wusste diese
Frau von ihrem Schmerz? Sah man ihr das wirklich an? Wieso waren daheim alle so
grausam gewesen? Wieso war hier alles anders? Sie war den Tränen nahe, weil noch nie
jemand so nette Worte zu ihr gesagt hatte. Ihr Vater, ja, der hatte es ihr mal zugeflüstert.
Doch das war lange her. Sie war verwirrt, da sie einerseits das unbändige Verlangen
hatte, einmal alles zu erzählen, und gleichzeitig war da die unglaubliche Angst. Angst,
doch wieder verhöhnt zu werden. Angst davor, die eigenen Gefühle nicht ertragen zu
können. Minnie strahlte so viel Ruhe und Frieden aus, bestimmt war sie total lieb und
doch traute sich Marie nicht, über ihren Schmerz zu sprechen. Mehr als ein schlichtes
Danke kam nicht über ihre Lippen. So saßen sie einfach noch eine Weile dort und
genossen die Stille, während Marie versuchte, Ordnung in ihr inneres Chaos zu
bringen.
Nach einiger Zeit stand Minnie auf.
»Marie, gutes Kind, ich muss mich noch ein wenig um meine Kräuter kümmern. Wenn
du magst, kommst du einfach nach hinten. Habe keine Scheu, du störst mich nicht.
Ruhe habe ich hier doch immerzu.«
Im Vorbeigehen strich sie Marie kurz über die Wange. Minnie spürte, wie die junge
Frau leicht zusammenzuckte, was sie nicht erstaunte. Maries ganze Körpersprache
verriet viel. Obwohl sie anmutig und leichtfüßig lief, wirkte sie wie ein scheues Reh.
Jederzeit zum Sprung bereit. Während Minnie dabei war, ihre Kräuter zu gießen,
überlegte sie, ob es möglich sein würde, Marie zu helfen. Ihr zu zeigen, dass nicht alle
Menschen gleich sind. Irgendwann bemerkte sie, dass die junge Frau sie beobachtete.
»Komm gerne her. Wenn du möchtest, zeige ich dir meine Kräuter.«
Marie kam langsam, fast zögernd, näher.
»Morgen werde ich welche ernten, ich verkaufe sie hier in der Umgebung auf dem
Markt. Schau, das hier ist Salbei, daneben wächst der Baldrian. Hier ist Blutwurz, eine
wunderbare Heilpflanze. Dort vorn beginnt schon das Johanniskraut zu blühen.
Petersilie, Dill, Majoran und weitere Küchenkräuter. Der große Strauch dort hinten ist
Zitronenmelisse. Sie riecht so schön. Komm, lass uns mal hingehen.«
Marie tat es Minnie gleich und schnupperte an den Blättern der Pflanze. Wirklich
angenehm. Wofür diese wohl gut sein mag?
Minnie erzählte weiter: »Man kann sie bei Asthma sowie bei Problemen mit Magen und
Darm einsetzen, aber auch fürs Herz ist sie gut. Auf dem Markt geht sie weg wie warme
Semmeln und die Apotheke im Ort nimmt mir auch häufig Kräuter ab. Sie verarbeiten
diese zu Teeaufgüssen.«
»Oh, das ist ja schön«, meinte Marie. »Lebst du denn nur vom Kräuterverkauf und von
der Zimmervermietung?«
Marie wurde etwas rot, als sie bemerkte, dass sie die Frau geduzt hatte.
»Ja, Marie, ich lebe nur von diesen Einkünften, aber ich brauche ja nicht viel. Ich baue
mein Gemüse an und Brot backe ich ebenfalls selbst. Beim alten Kurt, ein Bauer hier in
der Gegend, bekomme ich hin und wieder mein Fleisch und er erhält dafür Kräuter und
selbst gemachten Kuchen. Das funktioniert ganz gut. Nur mein Haus macht mir etwas
Sorgen. Es müsste mal wieder renoviert werden und das Dach sollte ausgebessert
werden. Aber, kommt Zeit, kommt Rat, sage ich immer. Marie, ich fände es schön,
wenn du mich duzen würdest.«
Dabei zwinkerte sie Marie schelmisch zu.
»Minnie, ich möchte mich für vorhin entschuldigen. Ich glaube, ich habe etwas blöd
reagiert, als du … also, als du mir so über … über die Wange gestreichelt hast.« Mist,
warum muss ich jetzt stottern? Marie ärgerte sich über ihre Reaktion. »Es ist nicht so,
dass ich es nicht mag oder so, es hat nichts mit dir zu tun. Nimm es bitte nicht
persönlich. Ja?«
Verlegen schaute sie in die Ferne, wohlwissend, dass sie dadurch abweisend wirkte.
Marie wollte nicht verletzen, aber sie hatte sich so sehr in ihre eigene Welt
zurückgezogen, dass es ihr schwerfiel zwischenmenschliche Beziehungen zuzulassen.
Dabei mochte sie diese mütterlich wirkende Frau. Bei ihr fühlte es sich irgendwie so an,
als könnte man ihr tatsächlich vertrauen. Marie drehte sich zu Minnie um und sah, wie
diese sie liebevoll anlächelte.
»Kindchen, mach dir keine Gedanken darum. Ich nehme es dir weder übel noch habe
ich es persönlich genommen. Ich denke, du bist es nicht gewöhnt, so berührt zu werden
und dass es auch eine schöne Art der Berührung geben kann.«
Marie schwieg. Sie wusste nicht, was sie sagen sollte. Minnie akzeptiere ihr Schweigen.
Dunkle Wolken zogen auf.
»Komm Marie, lass uns ins Haus gehen, es scheint ein Gewitter auf uns zuzukommen,
außerdem möchte ich das Abendessen vorbereiten.«
Etwas später saßen sie in der Stube am Tisch und aßen Hühnerfrikassee. Es schmeckte
köstlich. Stumm lauschten sie dabei dem kurzen Gewitter. Anschließend in ihrem
Zimmer, sah sie noch etwas fern. Als Marie im Bett lag, dachte sie an ihre neue Arbeit.
Sie spürte ein unangenehmes Kribbeln im Bauch. Marie versuchte, die Aufregung, die
die Regie übernehmen wollte, beiseitezuschieben. Doch die Müdigkeit gewann und sie
schlief kurz darauf ein.
Das Wochenende verbrachte sie viel in der Natur. Marie saß stundenlang unter dem
wunderschön blühenden Kirschbaum und hing ihren Gedanken nach. Grüblerische
wechselten sich mit Hoffnungsvollen ab. Am Sonntagnachmittag brachte sie Minnie
einen großen Strauß wild gewachsener Blumen mit. Marie wollte ihr damit eine kleine
Freude machen und sich bei Minnie für ihre Freundlichkeit bedanken.
Ein Strahlen huschte über das Gesicht der alten Frau.
Gerührt schaute sie Marie an und sagte: »Dankeschön, du machst mich sehr glücklich
mit diesem wunderschönen Strauß. Es ist jetzt schon einige Jahre her, dass mir jemand
Blumen geschenkt hat. Ich stelle ihn schnell ins Wasser und hinterher habe ich für uns
einen leckeren, frischgebackenen Kuchen. Du magst doch Apfelkuchen?«
Marie fühlt sich wohl wie schon ewig nicht mehr, nur wenn sie an den nächsten
Morgen dachte, an die Stadt und die Arbeit, schlich sich ein seltsames Unbehagen in
ihren Bauch.


 

Probelesen 30 Buchseiten

 Vom Falken getragen

 Teil 2

  © by Stefanie Landahl - Autorin

 Text & Covergestaltung: Stefanie Landahl

 Cover Foto: Kurt Bouda

 Korrekt/Lektorat : Renate Schreiber

 Quellen: Oscar Wilde – Zitat

 www.kreawusel-schreibweib.de

(Oder als PDF zum runterladen)

 

"Alle in diesem Roman vorkommenden Personen, Schauplätze, Ereignisse und Handlungen sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder Ereignissen sind rein zufällig."

 

Die Geburt

 Vor fast drei Monaten hatten sich Marie und John im kleinen Kreis, mitten in der Natur, das Ja-Wort gegeben. Der Falke hat­te zwar keine Einladung bekommen, war aber  anwesend.

 

John war sehr beschäftigt mit dem Aufbau der Ferienwohnungen für finanziell be­nachteiligte Menschen. Auch die Hunde­schule wurde sehr gut besucht. Manchmal saß er bis in die Nacht, um die Aufträge als Grafikdesigner abzuarbeiten. Ab und an kam Marie und holte ihn von der Arbeit weg. John konnte ihr nur schwer einen Wunsch abschlagen. Wenn sie ihre Arme von hinten um ihn legte und seinen Na­cken küsste, klickte er nebenbei auf spei­chern und fuhr den Laptop herunter.

 

Er liebte diese Frau abgöttisch. Dass sie sein Kind in sich trug, grenzte für ihn na­hezu an ein Wunder. Das Kinderzimmer war fertig und der Geburtsvorbereitungs­kurs war beendet. Maries Stichtag rückte in beängstigende Nähe. Er freute sich sehr auf ihr gemeinsames Kind, dennoch hatte er etwas Sorge, was die Geburt betraf.

 Nun lag er neben seiner Frau, küsste sanft ihren Bauch und flüsterte dem Wesen darin liebevolle Worte zu.

 

Hey Kleine, welchen Namen möchtest du haben?“

 Marie kicherte: „Und John, was sagt sie?“

 „Warte, ich lausche. Ich höre ihre Stimme nicht, es gluckert so laut.“

 John legte sein Ohr direkt auf Maries Bauch. Kurz darauf fuhr er erschrocken hoch und rieb es sich.

 „Autsch, ich glaube, unsere Kleine wird Fußballerin, ihre Tritte sind jedenfalls kräftig und gezielt. Oder mag sie mich nicht?“

 Marie lachte auf, bevor sie John auf seine Stirn küsste und sagte:

 „Liebster, das glaubst du doch wohl nicht wirklich? Sie wird dich vergöttern, du bist ihr Daddy. Du wirst ein wundervoller Vater sein, da bin ich mir sicher!“

 „Hm.“

 Diese kurze Antwort, gepaart mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck, veran-lasste Marie, nachzuhaken.

 „John?“

 „Ja?“

 „Was ist los?“

 „Ach nichts.“

  Marie nahm Johns Gesicht zwischen ihre Hände und streichelte sanft seine Denk-falten.

 Sie hatte sich schon längst an seine Stimmungsschwankungen gewöhnt und war ihm nicht böse. Marie kannte die Gründe und konnte daher gut damit umgehen. Zudem war sie ihm dies-bezüglich sehr ähnlich.

 Dieser fragende und liebevolle Blick seiner Frau ließ John aufseufzen. Er wusste, Marie würde, stur wie sie war, weiterbohren.

 

Sein Tonfall klang bitter, als er sagte:

 „Bei Tim habe ich als Vater versagt. Das weißt du.“

 „John, du hast nicht versagt. Man hat dich hinters Licht geführt und nicht mehr Vater sein lassen. Das ist doch etwas ganz anderes. Seid ihr euch wiederhabt, läuft es doch super zwischen Tim und dir.“

Noch immer nachdenklich antwortete John.

 „Ja, kann sein. Ach Marie, es ist so viel Zeit verloren gegangen. Jahre, in denen ich meinen Sohn nicht aufwachsen sah. Aber es stimmt, Tim wirkt gelöst, wenn wir beisammen sind. Als würde er es mir nicht übel nehmen.“

 Marie strich John sanft über seine Wange, als sie antwortete.

 „Tim ist sehr fröhlich, wenn ihr zusammen seid. Und so wie er dich anschaut, John, so schaut kein Kind, das seinem Vater gram ist. So schauen nur Kinder, die ihren Dad lieben.“

 John spielte gedankenverloren mit einer Haarsträhne von Marie, als er leise sprach.

 „Ja, du hast wohl Recht. Aber erstaunlich finde ich es schon.“

 

Lächelnd befreite Marie ihre Haare aus Johns Hand, obwohl sie diese Eigenart von ihm total süß fand, aber sie hatte Hunger.

Seid ihrer Schwangerschaft hatte sie ständig Hunger. Doch zum Glück war die „Nutellazeit“ vorbei. Die Wochen, in denen sie an einem Tag locker ein Glas auslöffelte wie eine Süchtige, gehörten der Vergangenheit an.

 „Hast du Hunger, John?“

 „Auf dich immer, Süße“, folgte die neckische Antwort.

 

Marie lachte und freute sich über Johns Stimmungswechsel.

Es war zwar Frühstückszeit, doch sie entschieden sich für den Rest der selbstgemachten Pizza vom Vorabend.

Gesättigt rieb sich Marie ihren Bauch, als sie John fragte:

 

Müssen wir eigentlich spießig werden, wenn unsere Kleine da ist, John?“

 Verwundert kam die prompte Antwort.

Was? Nee, bitte nicht! Denkst du, unser Kind braucht spießige Eltern, Marie?“

Nein, unser Kind braucht Liebe und Fürsorge und vielleicht ein paar Regeln. Aber andere werden es vielleicht erwarten?“

Na und? Sollte es uns nicht egal sein? Spießig bedeutet nicht zwangsläufig gute Eltern. Oder, Marie? Deine Mutter ist doch das negative Paradebeispiel schlechthin.“

Stimmt“, meinte Marie nachdenklich.

 „Sie weiß bisher nicht, dass sie Oma wird. Meinst du nicht, es wäre an der Zeit, sie zu informieren, Marie?“

 Marie schüttelte den Kopf, und ihre Antwort klang bestimmt.

 „Nein, diese Frau hat nichts mehr in meinem Leben und schon gar nicht im Leben meiner, also unserer Tochter, zu suchen!“

Okay.“

 

John griff nach Maries Hand und drückte sie leicht.

Nach einer Weile des Schweigens fragte Marie.

 

John, wie fändest du Mia?“

 „Oh, der Name gefällt mir. Ja, absolut. Mia, unsere kleine Prinzessin wird Mia heißen. Einverstanden.“

 Marie musste über Johns Enthusiasmus schmunzeln. Wohlwollend strich sie zart über ihren Bauch und flüsterte:

 „Hey Kleines, möchtest du Mia heißen?“

 Als sie einen Tritt spürte, lachte sie laut auf.

 „Ich glaube, ich habe gerade ihre Zustimmung erhalten.“

 

 Gemeinsam räumten sie die Küche auf. Als Marie mal wieder den Fußboden wischen wollte, griff John, wie immer in letzter Zeit, resolut ein.

 „Lass es Marie! Der Arzt hat dir diese Tätigkeiten verboten und das nicht grundlos.“

 

 John hatte Mühe, einen ruhigen Tonfall beizubehalten. Manchmal machte ihn die Sturheit seiner Frau wütend. Marie hatte ihm bereits vorgehalten, dass Schwanger-schaft keine Krankheit wäre.

 Zickig warf sie den Schrubber in die Ecke und ging stumm ins Schlafzimmer.

 John stöhnte genervt auf und folgte ihr kurze Zeit später.

 Marie saß auf dem Bett und starrte aus dem Fenster.

 Sachte setzte er sich neben sie und legte seinen Arm um ihre Schultern.

 

 „Mensch Marie, nun sei nicht sauer. Es war nicht böse gemeint, das weißt du. Ich mache mir Sorgen.“

 Seine Frau seufzte.

John, ich bin nur schwanger. Das Thema hatten wir doch schon zur Genüge. Ich passe schon auf die Kleine auf. Vielleicht solltest du doch noch ein wenig an deinen Verlustängsten arbeiten?“

 Der letzte Satz kam bissiger rüber, als sie es wollte.

Sie spürte, wie Johns Körperhaltung steif wurde. Marie bekam ein schlechtes Gewissen. Warum war sie manchmal so unfair? Daran sind bestimmt die Hormone schuld, überlegte sie.

 „Sorry, John. Das war gemein.“

 „Schon gut, Marie. Es ist ja ein Fünkchen Wahrheit dabei. Kann ich dich wirklich nicht überreden, den empfohlenen Kaiser-schnitt zu machen?“

 „Nein John. Den Punkt haben wir schon so oft durchgekaut. Ich bleibe dabei, ich möchte unser Kind auf normalem Wege bekommen. Millionen Frauen schafften das!“

 „Aber nicht alle Frauen haben einen Knick im Geburtskanal, Marie.“

 „Das wird die Kleine schon schaffen. Lass uns bitte das Thema wechseln, John.“

 

Innerlich fluchend gab John auf.

Marie erzählte ihm von ihrem Treffen mit Anna. Ihre Freundin hatte kürzlich einen Mann über ein Internetportal kennen gelernt. Nach einiger Zeit des miteinander Schreibens telefonierten sie täglich. Anna schwärmte nahezu von diesem Mann. Von seiner Stimme und Art. Sie wollten sich in einer Woche treffen. Mit leuchtenden Augen hatte Anna ihr ein Foto von ihm gezeigt. Er sah gut aus und sehr männlich. Marie fand den Blick etwas düster, doch das könnte ja täuschen. Irgendwie erinnerte er sie ein wenig an John.

    Die Stimmung zwischen dem Pärchen normalisierte sich schnell. John ging ins Nebengebäude, um dort weiter zu renovieren. Wenn der Komplex fertig wäre, sollten darin Menschen mit geringen finanziellen Mitteln Urlaub machen können. Er fand es nicht korrekt, dass Urlaub und Durchatmen oft nur den Menschen mit mehr Geld vorbehalten war. Er meinte, dass einiges auf dieser Welt nicht gerecht lief. Der Gerechtigkeitsinn war eine der Eigenschaften, die Marie und er miteinander teilten. Es kam vor, während sie gemeinsam eine Reportage anschauten, dass bei Marie die Tränen liefen und er mit versteinertem Gesichtsausdruck dem Geschehen folgte. Die Welt konnten sie leider nicht retten, doch zumindest im Rahmen ihrer Möglichkeiten wollten sie etwas tun. Dazu gehörte auch die Aufnahme von den in Not geratenen Tieren. Die baulichen Arbeiten waren abgeschlossen. Mit den Malerarbeiten kam John zügig voran. In wenigen Tagen könnten die Möbel geliefert werden. Drei kleine Ferienwohnungen mit kleiner Küche und Bad. Die untere Wohnung war etwas größer und hatte eine Terrasse. Die oberen hatten einen kleinen Balkon. Minnie hatte bereits ihren Rat bezüglich der Bepflanzung geäußert. Gegen Mittag trieb John der Hunger ins Haus.

 Verwundert stellte er fest, dass Marie nicht, wie sonst, in der Küche oder im Wohnzimmer anzufinden war.

 Vielleicht war sie müde und hat sich schlafen gelegt, überlegte er. Eine Schwangerschaft in diesem Status schien anstrengend zu sein. Als er ins Schlafzimmer sah, stellte er verwundert fest, dass es leer war. Ein ungutes Gefühl breitete sich in seinem Bauch aus.

 

Marie wo bist du?“, rief er, während er rasch zum Bad ging.

 Als er die Tür öffnete, gefror ihm sein Blut in den Adern.

 Marie lag am Boden, kreidebleich mit weit aufgerissenen Augen. Unter ihr schien der Boden nass zu sein.

 „Oh Scheiße, Marie. Was ist passiert?“

 Zittrig hob er Marie sachte hoch und trug sie ins Auto.

 Gepresst sagte sie: „John, der Koffer.“

 „Scheiß auf den Koffer, ich hole ihn später. Versprochen.“

 

Mit quietschenden Reifen fuhr er los.

 Ihr wiederholtes Aufstöhnen quälte ihn.

 John versuchte, hochkonzentriert, sicher und so schnell wie nur möglich, zur Klinik zu fahren.

 Als Marie sich in den sicheren Händen des Geburtsfachpersonals befand, ließ seine Anspannung etwas nach. Zügigen Schrittes verließ er die Klinik, um Minnie anzurufen. Er hatte ihr und Marie versprochen, Bescheid zu geben, wenn die Entbindung nahte.

 Als die alte Dame endlich ans Telefon ging, legte er sofort los:

 

Minnie, es ist soweit. Glaube ich zumindest.“

 Sie hörte das Zittern in seiner Stimme.

 „Hey John, das ist ja wunderbar. Bleib ruhig, Junge. Es wird alles gut gehen.“

 „Puh, Minnie. Sie lag im Bad. Ich suchte Marie im ganzen Haus. Sie hat Fruchtwasser verloren und leidet.“

 „Eine Geburt ist mit Schmerzen verbunden, John.“

 Laut rief Minnie nach Walter. Er war nicht nur ihr Mann, sondern auch der Vater von Marie.

 „Wir sind in ungefähr dreißig Minuten bei euch. Halte die Stellung solange, ihr schafft das, John!“

 

 Rastlos lief er ein paar Runden im Kreis, holte mehrmals tief Luft, bevor er wieder zurück in die Klinik ging. Auf der Entbindungsstation angekommen, ver-nahm er ein lautes Schreien. Er wusste, dass es nicht Marie war, trotzdem stellten sich ihm die Nackenhaare auf. Zögerlich ging er weiter.

 Eine Stationsschwester kam ihm entgegen. Sie wusste, dass dieser Mann Vater würde. So erschrocken schauten nur werdende Väter.

 

 Lächelnd sprach sie John an.

 „Guten Tag, junger Mann. Zu wem möchten Sie?“

 „Zu Marie Weber, ähm, ich meinte zu Marie Schwed.“

 Mit einem aufmunternden Schmunzeln im Gesicht antwortete die Schwester:

 „Kommen Sie, Herr Schwed, ich bringe Sie hin. Die Untersuchungen sind bei Marie soweit abgeschlossen. Sie hat vorzeitig Fruchtwasser verloren, doch es geht ihr den Umständen entsprechend gut. Keine Sorge.“

 

Im Kreißsaal stellte sich die Hebamme  lächelnd vor. Sie hieß Anja. Ermutigend drückte sie Johns Schulter mit den Worten:

 „Wir werden das Kind schon schaukeln, Herr Schwed. Setzen Sie sich.“

 

 John rückte den Stuhl nah ans Bett heran und griff nach Maries Hand. Mit der Krankenhausatmosphäre hatte er noch immer ein Problem. Marie sah das Flackern in seinen Augen.

 „Hey, John. Hast gehört, wir werden das Kind, also unser Kind, schon schaukeln.“

 Sich innerlich zur Ruhe zwingend, antwortete er:

 „Na klar, Süße. Ich freue mich schon auf den Moment, wenn wir unsere Mia im Arm halten. Wenn wir wieder daheim sind, beginne ich sofort mit dem Bau einer Schaukel. Versprochen. Wir könnten sie an den Baum hängen, den du so liebst. Was meinst du?“

 Marie verkniff sich ein schmerzerfülltes Aufstöhnen und lächelte tapfer, als sie sagte:

 „Klar doch, Liebster, aber vorher schaukeln wird die Kleine auf unserem Arm und in der wunderschönen Wiege, die du gebaut hast.“

 

Einige Momente später forderte die Hebamme Marie auf, die erlernte Atemtechnik anzuwenden, damit sie weniger verkrampft wäre. John unterstützte sie dabei vorbildlich. Zwischendrin wischte er seiner Frau liebevoll die Schweißperlen von ihrer Stirn. Die Wehen kamen häufiger und wurden intensiver. John wusste, dass eine Geburt die natürlichste Sache der Welt war. Momentan fand er es allerdings grausam. Er sehnte den Moment herbei, wo sie ihr Kind glücklich in den Armen halten würden.  Als Minnie eintraf, machte er ihr erleichtert Platz. Mit dem Einverständnis der Anwesenden verließ er kurz darauf den Kreißsaal.

Vor der Klinik drehte er ein paar Runden. John holte häufiger tief Luft, in der Hoffnung, es würde ihn beruhigen. Es gelang nur mäßig. Als er seinen Blick Richtung Himmel hob, entdeckte er den Falken weiter vorn, in dem höchsten der umstehenden Bäume.

 Lächelnd hob er die Hand zum Gruß. Der Falke tauchte zwar nicht mehr so häufig auf, die Abstände schienen größer zu werden, doch seine Anwesenheit hatte an Wirkung nicht verloren. John näherte sich dem Baum, um dem magischen Tier in die Augen sehen zu können. Stumm tauschten sie Blicke aus. Plötzlich verkrampfte sich sein Bauch und John rannte angsterfüllt zurück in die Klinik.

 Hektisch atmend kam er vor dem Kreißsaal an. Minnie stand davor.

 Sie hielt ihn am Arm zurück.

 „John, stopp. Du kannst jetzt nicht rein. Wir müssen hier  warten.“

 Er kannte Minnie gut genug, um zu bemerken, dass ihre Stimmlage nicht so sicher war wie gewöhnlich.

 Zittrig fuhr er sich durchs Haar, als er sie fragte:

 „Minnie, verdammt, was ist los? Was ist passiert? Ich war doch gar nicht lange weg. Eben war doch noch alles in Ordnung.“

 Seine mütterliche Freundin legte ihre Hand auf seine Schulter und drückte sie sanft, als sie antwortete: „Ach John, es ging plötzlich ganz schnell. Die Hebamme drückte den Notruf. Jetzt sind zwei Ärzte bei ihr.“

Was ist passiert, Minnie? Sag es mir. Bitte!“

 „John, ich weiß es nicht so genau. Maries Kreislauf ist kollabiert. Warum, kann ich dir leider auch nicht sagen.“

 „Ist sie bewusstlos?“

 „Ja.“

 „Nein, bitte nicht!“

 

 Minnie sah die Panik in Johns Augen. Sie konnte es ihm nachfühlen. Kaum ein Jahr war es her, als Marie in genau diesem Krankenhaus im Koma lag. Auch wenn die Gründe dafür damals gänzlich andere waren. John setzte sich kraftlos auf einen der Stühle. Minnie setzte sich neben ihn und legte beruhigend ihre Hand auf sein Knie.

 Kurze Zeit später rannte die Hebamme an ihnen vorbei. Wenige Minuten später kam sie mit einem Gerät zurück. (Bis Buchseite 24)

 

Und nun noch ein wenig aus „Mittendrin“ im Buch

 Bucheite (Taschenbuch) 243 bis 246

 

Die anwesende Psychologin nutze die Pause, um Tom und Marie ihren tiefsten Respekt auszusprechen. Ebenso versprach sie, dass sie das komplette Verfahren begleiten würde, wenn beide es wollten. Ihr Angebot wurde dankend angenommen.

 Vier dampfende Kaffeebecher wurden auf den Tisch gestellt.

 

 „Lassen Sie ihn sich schmecken. Dafür, dass er nicht handgebrüht ist, kann man nicht meckern, finde ich.“

 Zustimmend nickten Marie und Tom nach dem ersten Schluck. Die Therapeutin kannte den Kaffee bereits und schwieg daher.

 „Okay, können wir weitermachen?“

 

 Beide stimmten zu. Noch ungefähr eine halbe Stunde dauerte die restliche Befragung. An einem Tisch weiter, mit dem Rücken zu den Anwesenden, saß eine junge Polizistin und tippte die Aussage in einen Computer. Zwischendrin wischte sie sich heimlich ihre Tränen weg. Zum Ende der Vernehmung richtete der Beamte noch ein paar Worte an die Zeugen.

 

 „Herr und Frau Schwed, ich möchte Ihnen an dieser Stelle danken, danken für Ihren Mut und Ihnen meinen tiefsten Respekt aussprechen. Wissen Sie, ich bin Vater und das Gehörte, was Sie an Leib und Seele erfahren haben, macht mich unglaublich wütend und fassunglos. Trotz meiner Berufserfahrung. Es ist gut, dass die Verjährungsfrist auf zwanzig Jahre angehoben wurde. Die Polizei, ihr Anwalt und das Gesetz werden alles in ihrer Macht stehende tun, damit diese Täter ihre Strafe bekommen und schnellstmöglich von der Schule verschwinden."

 

 John lief draußen mittlerweile im Kreis. Anna sprach beruhigend auf ihn ein. Dass die Therapeutin schon aufpassen würde und Marie ihr Notfallmedikament auch dabei hatte, sollte sie tatsächlich wieder Atemaussetzer bekommen. John stimmte ihr zu und sein Verstand wusste dies auch. Er kämpfte mit seinem „Kontrollteufel". Währenddessen nickte er Anna zu mit den Worten: „Ich weiß,“ und sein Kreislaufen ging weiter.

 Marie und Tom verließen die Behörde. Man hatte ihnen für den weiteren Verlauf ein Aktenzeichen mitgegeben. Sie sahen erschöpft aus. Schnellen Schrittes ging John seiner Frau entgegen.

Er blieb vor ihr stehen, hob ihr Kinn sanft an und fragte: „Bist du okay?“

 Er meinte, eine Spur von Stolz in ihren Augen zu sehen.

 Sie lehnte sich an ihn, während sie seufzte und dennoch kraftvoll sprach: „Ich bin in Ordnung, John. Mache dir bitte nicht solche Sorgen. Ja, es war anstrengend, natürlich. Aber es ist richtig und wichtig. Da müssen wir jetzt halt durch.“

 Anna hatte die Worte ihrer Freundin auch gehört und schaute erstaunt zu ihr hinüber.

 „Hey, Süße, du klingst richtig taff. Das gefällt mir.“

 

 Während sie das sagte, löste Anna sich aus der Umarmung mit Tom und ging zu Marie, umarmte ihre Freundin und gab ihr einen liebevollen Wangenkuss.

 Auch John war überrascht.  ..................

 

Weitere Infos wo es das E-BOOK und Taschenbuch gibt

 https://www.kreawusel-schreibweib.de

 & im Blog http://vom-falken-getragen.blogspot.de/

 

Schöne Zeit „dir“ :-)

 Stefanie Landahl

 



Mythologie Falke

Ägypten: Der Falke gilt nicht nur als Götterbote, sondern auch als Symbol für den Himelsgott Horus, der seit jeher mit einem Falkenkopf dargestellt wird. Ebenso steht der Falke mit dem Sonnengott Re und dem Mondgott Chons in Verbindung. Isiris, die Schwester von Horus, wird auf allen Zeichnungen mit ausgebreiteten Falkenschwingen dargestellt. Das Auge des Horus, das einem Falkenauge gleicht, ist zu einem wichtigen Symbolbild geworden. Es steht für die Sonne und gleichzeitig für den Mond und soll ein mächtiges Schutzsymbol sein. Der Falke nimmt in der Rolle der ägyptischen Mythologie eine ähnliche Rolle ein, wie der Adler in der Mythologie einiger Indianerstämme Nordamerikas. Als nahezu bekanntestes Sonnensymbol und Bote des Sonnegottes selbst genießt der Falke in der ägyptischen Mythologie also ein hohes Ansehen.

Germanen: Freya, die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, aber auch des Glücks und des Frühlings, trägt ein Falkengewandt, damit sie blitzschnell durch die Lüfte gleiten kann. Das Falkengewandt ermöglicht Freya jedoch auch, sich in einen Falken zu verwandeln, um unerkannt in der Welt der Menschen zu bleiben.

Kelten: Auch in der keltischen Mythologie kommt dem Falken die Rolle eines Botschafters zu. So soll er ein Mittler zwischen der diesseitigen und der jenseitigen Welt sein.

Sonstiges:In der slawischen Mythologie ist der Falke (Sokol) eine Gestalt der Sonne und des Lichtes. Er ist bekannt für seinen großen Mut, seine scharfen Augen, und seine unübertreffliche Schnelligkeit. All dies sind die wichtigsten Voraussetzungen für einen Krieger, weshalb er auch als Symbol- und Leitfigur aller Krieger gilt. In der russischen Mythologie verwandeln sich einiger Märchen und alter Überlieferungen zu Folgen die meisten Helden in Falken, damit sie in der Lage sind, schwere Aufgaben schnell zu lösen.

Auszug Kopie von dort : http://www.schamanische-krafttiere.de/krafttier-falke.html Wer über den Falken/Habichtmenschen (schmunzel) mehr lesen möchte, könnte es dort tun.